Frühklassik

Im Rahmen der abendländischen Musikgeschichte bezeichnet die Frühklassik einen Kompositionsstil, der durch den Übergang zwischen Barock bzw. Spätbarock und der Wiener Klassik gekennzeichnet ist. Bei der zwischen 1730 und 1770 angesetzten und manchmal auch Vorklassik genannten Periode, deren Anfänge mit denen des

galanten bzw. empfindsamen Stils zusammenfallen, ist noch nicht final geklärt, ob es sich bei ihr um eine eigene stilistische Epoche oder einen Interims- bzw. Übergangsstil handelt.

Charakteristisch für diese Phase ist die vorsichtige aber unaufhaltsame Auflösung der musikalischen Ideale des Barocks. Die streng reglementierte Mehrstimmigkeit wird zugunsten eines einzigen Melodieverlaufs immer stärker aufgebrochen und gilt dann spätestens in der Wiener Klassik als komplett überholt. Damit einher geht auch eine zunehmende Ablösung des kontrapunktischen Kompositionsprinzips durch harmoniebildende Satztechnik, was zu einer Intensivierung der in der Musik abgebildeten Kontraste führt. So werden beispielsweise von nun an Tempi öfter und schneller gewechselt, dynamische Differenzen spielerisch eingesetzt und vermehrt auf Klangeffekte gesetzt. Insbesondere Letztere konnten aber umso effektiver (oder auch überraschender) gestaltet werden, je mehr der Komponist für ein Mischklangorchester mit klangfüllenden Mittelstimmen komponierte und nicht für ein von Cembalo oder Hammerklavier dominiertes Orchester schrieb. Die sich noch im Barock einer großen Zustimmung erfreuenden Musikformen wie die Fuge, Suiten, Kantaten und Passionen weichen ab dem Einsetzen der Frühklassik immer öfter formalen Neubildungen wie Streichquartette und Sinfonien. Und nicht zuletzt die immer prominenter werdende Oper bewirkte eine Verlagerung der künstlerisch relevanten Schwerpunkte weg von der Kirche und hin zu weltlicheren Kontexten.

Zu den wohl wichtige Instanzen der Frühklassik gehörten die Mannheimer und die Wiener Schule, die beide angetreten waren, um sich vom überbordenden Schwulst des Spätbarocks zu lösen und dafür einem einfacheren und allgemeinverständlicheren, kurz: galanteren Kompositionsstil zum Durchbruch zu verhelfen. Während die Mannheimer Schule mit Johann Stamitz, Franz Xaver Richter und Ignaz Holzbauer unter anderem die Grundlagen für die klassische Sonatenhauptsatzform schuf, arbeitete die beiden wichtigsten Vertreter der Wiener Schule, Georg Christoph Wagenseil und Georg Matthias Monn, erfolgreich an der Ausbildung formaler Bedingungen für die Durchführung, einem Teil der Sonatenhauptsatzform. Als weiter typische Repräsentanten der frühklassischen Periode gelten die Söhne Bachs, Giovanni Battista Pergolesi, Christoph Willibald Gluck und auch Leopold Mozart.