Schlager
Seit der Begriff im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts verwandt wurde, bezeichnete der Schlager ein Musikstück, das einschlägt, also Erfolg hat. Ebenso wie seine Vorläufer, die als Gassenhauer, Flugblattlieder oder Bänkelgesang bekanntwurden, erwies sich auch der Schlager als eingängig und populär. Seine Beliebtheit ist
in Teilen sicherlich auch dem immergleichen Themenkreis geschuldet, um den sich fast alle Schlager drehen. Die inhaltlich stark von Liebe, Fern- oder Heimweh und Glücksverlangen geprägten Texte hat der Schlager denn auch mit volkstümlicher Lyrik gemein, unterscheidet sich aber von ihr durch eine weitaus stärkere Orientierung an Mode- und Zeitgeistströmungen.
Das trifft vor allem auf den Schlager als eine Art Gattungsbegriff zu. Denn während erfolgreiche Lieder seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in der Regel als Hit bezeichnet werden, entspricht die Gattung Schlager einem deutschsprachigen, liednahen Musiktyp der massenunterhaltenden Musikindustrie. Seine musikalische Substanz deckt sich mit der des volkstümlichen Liedes und beschränkt sich auf nur selten voneinander abweichenden melodischen Sequenzen, sowohl einfache als auch wenige Grundharmonien, einem einprägsamen Refrain und einer größtenteils durch Marsch und Tanz geprägten Rhythmik. Letztere greift zwar immer wieder auch modische und aktuelle Einflüsse auf, geht aber selten über ein gewisses Maß an Standardisierung hinaus. Denn als wesentlich für den Schlager erweist sich die durch das Arrangement und die Aufnahmetechnik herzustellende Aufmachung bzw. klangliche Einkleidung. Sie soll weder unmodern noch innovativ klingen, sondern vor allem vertraut.
Als Gattungsbegriff wird der Schlager seit den 1950-er Jahren verwendet, die zusammen mit den 1960-er und 1970-er Jahren zur Blütezeit des deutschen Schlagers zählen. Zu seinen frühesten und bekanntesten Vertretern gehören Caterina Valente, Rudi Schurricke, Freddy Quinn und Gitte Haenning. Mit ihren Schlagern trugen diese Interpreten dazu bei, dass das Themenspektrum Urlaub, Exotik und ein unbestimmtes, aber in jedem Fall im Süden gelegenes Schicksal noch heute tonangebend im Bereich des Schlagers ist. Mit der aufkommenden Popularität englisch-sprachiger Popmusik vollzog sich auch im Schlager ein Wandel. So waren die 1960-er Jahre vor allem durch eine Vielzahl von ausländischen Interpreten wie z. B. Ramsey Lewis, Connie Francis oder auch Siw Malmkvist gekennzeichnet, die mit deutschsprachigen Liedern Erfolge feierten. Gleichzeitig bereiteten die 1960-er Jahre den Weg für eine neue Generation von Schlagerkünstlern, die in der darauffolgenden Dekade ihre größten Erfolge feierten. Neben Michael Holm und Udo Jürgens sind das im Wesentlichen noch Drafi Deutscher, Katja Ebstein sowie Cindy & Bert.
Mit dem Niedergang der Discobewegung erlebte auch der Schlager Anfang der 1980-er Jahre eine Popularitätstief, das erst durch die Erfolge von Nino de Angelo, Roland Kaiser und Howard Carpendale überwunden werden konnte. Im letzten Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende erfuhr der Schlager im Zuge einer allgemeinen Retro-Welle eine Art zweiten Frühling. Guildo Horn, Dieter Thomas Kuhn und der Schlagermove führten den Schlager zu neuer Beliebtheit und sicherten seinen Fortbestand auch im neuen Jahrtausend. Als erfolgreichste deutsche Schlagerkünstlerin gilt derzeit die Sängerin Andrea Berg.